Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind, bedürfen einer besonderen Form der Beachtung, Ansprache und Unterstützung, damit sie in ihren Ängsten und Nöten nicht allein gelassen und ihre Hilferufe verstanden werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es eines offenen und auf den jeweiligen Einzelfall flexibel ausgerichteten Hilfeangebotes, das von den kindlichen Opfern und ihren Familien mit ihren jeweils spezifischen Anliegen angenommen werden kann.

BeraterInnen wissen um die kindlichen Belastungsfaktoren der verletzten Kinder, sie kennen die Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird, die Angst ihre Eltern zu verlieren oder die Angst vor für sie nicht überschaubare Konsequenzen in Bezug auf ihre Aussage. Sie wissen um die Scham und Schuldgefühle und die vielfältigen Belastungen durch nicht immer angemessene Reaktionen in den Familien.

In den meisten Fällen von sexueller Gewalt bedeutet die Viktimisierung eine erhebliche Stresssituation, deren zentraler Inhalt ein überwältigendes Gefühl von eigener Ohnmacht und Hilflosigkeit ist, mit folgenschweren Auswirkungen für das Opfer.

Unsere Erfahrungen im Umgang mit kindlichen Opfern haben gezeigt, dass jedes Opfer sein eigenes Muster und seine eigenen Überlebensstrategien hat, auf sexuellen Missbrauch, Gewalt und Geheimniszwang zu reagieren, und dass die Folgen individuell verschieden sein können.

Zu unseren Standards der Opferhilfe gehören neben dem niedrigschwelligen Angebot vor allem die Vermeidung von Wartezeiten, die Hilfeangebote vor Ort, das Angebot der getrennten Berater für das betroffene Kind und seine Eltern, die Vermittlung der kindlichen Interessen gegenüber den Eltern und weiteren Familienangehörigen sowie bei Bedarf auch Fahrdienste und Betreuung vor Ort bzw. in der Beratungsstelle. Durch unsere umgehende Hilfestellung, d. h. spätestens innerhalb von 48 Stunden, können sowohl innerfamiliäre Krisen, die die Opfer zusätzlich belasten, begrenzt und Sekundärschädigungen weitgehend vermieden werden.