Sexuelle Gewalt an Kindern gehört zu den komplexesten Themen im Bereich der Kindeswohlgefährdung und ist nicht oder nur schwer im Alltag anzunehmen.
Wenn etwas nicht vorstellbar ist, verfügen wir selbst häufig auch nicht über ausreichende Konzepte für den Umgang mit dem Problem. Für den Schutz der Kinder sind Aufklärung, Wissensvermittlung und präventive Handlungskonzepte von entscheidender Bedeutung.

Eine Delegation der Verantwortung an die Kinder „Sag Nein“ reicht nicht aus, um diese vor sexueller Gewalt zu schützen. Kinder haben kaum Chancen sich gegen die „perfekten Manipulationsstrategien“ von Tätern innerhalb und außerhalb ihrer Familien ausreichend zur Wehr setzen zu können. Ein „Nein“ der Kinder wird von den Tätern, die Kinder missbrauchen wollen, nur allzu gerne überhört oder umgedeutet. Dennoch können Selbstsicherheit und  Selbstbehauptung den Kindern dabei helfen, mögliche Gefahren frühzeitig wahrzunehmen und anzusprechen. Informierte Kinder bemerken früher, wenn etwas geschieht, etwas unangenehm oder sonderbar ist und aus dem Rahmen des alltäglichen Erlebens fällt. Selbstbewusste Kinder, die beschützt und behütet werden, erschweren den Zugang für den Täter. Eine positive Beziehung zum Kind und ein Interesse für seine Bedürfnisse helfen seinen Schutz zu sichern.

Die Präsenz von kindorientierten Erwachsenen verhindern den Zugang der Tätern zu den Kindern. Wichtig ist aber auch, dass die Erwachsenen bereit sind, die Kinder in ihrem Selbstausdruck ernst zu nehmen, besonders wenn er aus dem Rahmen fällt und vom Kind wiederholt wird. In jedem Fall sollten Eltern den Äußerungen von Kindern Glauben schenken, auch wenn sie selbst eine andere Einschätzung der Person oder Situation haben. Nur das Kind kennt die zwei Gesichter von Tätern. Die böse Seite bleibt den Erwachsenen oft verborgen.

Täter achten auf die Bindung von Kindern und Bezugspersonen, von der sie ihren Zugang abhängig machen. Um diesen zu erhöhen, nehmen sie selbst intensiven Kontakt mit den Eltern auf und zeigen sich freundlich und hilfsbereit. Sie bieten Entlastung für die Eltern an, damit sie mit dem Kind alleine sind. Von daher ist es wichtig, dass die Eltern stets wachsam sind, wenn ein Kind nicht wünscht, alleine mit dem Partner oder anderen Bezugspersonen zu sein. Auch eigene Irritationen können helfen, mögliche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen.

Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen haben wir unser Präventionsprogramm gegen sexuelle Gewalt nicht nur für die Kinder sondern vor allem auch für die Erwachsenen,  Eltern, Lehrer und Erzieher entwickelt, damit sie selbst für den notwendigen Schutz der Kinder sorgen können.

Zu den Inhalten unserer präventiven Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt an Kindern gehört:

  • Wissensvermittlung über Hintergründe und Zusammenhänge
  • Aufklärung über gezielte Täterstrategien und Handlungskonzepte
  • Informationen über Tätervorgehen im Internet
  • Schulung der Wahrnehmung bei plötzlichen Veränderungen des kindlichen Verhaltens
  • Training für Stoppgrenzen und Abwehrstrategien
  • Einübung von Hilfe holen bei vertrauten Erwachsenen und Fachkräften.

Ein erfolgreicher Umgang mit dem Thema beginnt mit uns selbst. Wir können lernen eigene Denkblockaden wie „wenn etwas ist, was nicht sein darf, gibt es das nicht“ zu überwinden. Wenn wir von uns auf andere schließen, besteht sowohl die Gefahr der Suggestion wie auch der Falschbeschuldigung. Wenn wir den Kindern Zeit, Raum und Anerkennung geben, finden Sie selbst den Weg ihre tatsächlichen Probleme und ihre Wünsche nach Unterstützung zu äußern.