AUSZÜGE aus dem VORTRAG

„Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis der Opferhilfe“

Dipl. Soz. Annelie Dunand – STIBB e. V.

Um den Schutz der Kinder und Jugendlichen bei sexueller Gewalt zu erreichen und weitere Schädigungen zu vermeiden, bedarf es immer einer komplexen Herangehensweise, die sowohl sozialpädagogische als auch rechtliche Maßnahmen einschließen können. Dabei sollten die Hintergründe und Einflussfaktoren die zur Entstehung eines Gewaltkontextes beigetragen haben und der Einfluss des kindlichen Umfeldes immer Beachtung finden.

Unsere „Sozialpädagogische Hilfen für kindliche Opfer/zeugen und ihre Familien im Strafverfahren bei Sexualdelikten“, die im Vorfeld von Ermittlungsverfahren beginnen können, haben wir seit 2004 mit der Unterstützung des Justizministeriums des Landes Brandenburg etabliert.

Betroffene Minderjährige zeigen sich sehr erleichtert, wenn wir ihnen und ihren Eltern erklären, dass wir sie nicht befragen werden, sondern es bei uns darum geht, sie zu entlasten und ihnen und ihren Eltern Unterstützung im Strafverfahren anzubieten. Unsere Aufgabe ist es, den Betroffenen eine Hilfe anzubieten, die sie annehmen können.

Das Wissen um gezielte Täterstrategien hilft Erwachsenen, ihr eigenes, wie auch das Verhalten der Kinder besser zu verstehen und schützend handeln zu können.

Entscheidend für den Erfolg der Hilfe sind neue Erfahrungen des Opfers, die ihm zeigen, dass es selbst wahrgenommen und wertgeschätzt wird und sein familiäres Umfeld ihm glaubt. Opfer sind auf eine positive Wechselwirkung angewiesen, sie brauchen die Erfahrung selbst kompetent handeln zu können.

Wenn Eltern selbst Beachtung und Anerkennung finden, können sie diese auch leichter an ihre Kinder weitergeben.

Die Form der Zuwendung und Aufmerksamkeit, die das Opfer von dem Täter bekam, muss es von der Familie bekommen. Es braucht neue positive Erfahrungen im Umgang mit Bezugspersonen und professionellen Helfern, um die bedrohlichen Ängste zu überwinden.

Wenn die existentiellen Wünsche des Kindes durch das schützende Umfeld erfüllt werden, können die kindlichen Opfer mit eigenem Tempo ihre Verstrickung mit dem Täter lösen und sich zunehmend distanzieren.

Unsere zentrale Botschaft lautet hier: „Ich kann Dir dabei helfen, zu lernen, wie Du selbst die Situation verändern kannst.“

Grundsätzlich verstehen wir die Opferhilfe in einem Entwicklungsprozess, den wir gern weiter begleiten und aktiv gestalten wollen.